7 Mobile Trends im Bereich Business Apps für Endanwender

Die Spezialisten für App-basierte Business Intelligence-Analysen, App Annie, hatten in ihrem Report „Prognosen für den App Markt im Dezember 2016 unter Nutzung zahlreicher Marktzahlen aus ihrer Sicht zentrale „Top-10-Prognosen“ für den App-Markt abgeleitet. Sich teilweise auf diese Prognosen beziehend, hat ihnen MoSeven-Gründer und App-Flüsterer Markus Mölter sieben Top-Trends zu Business Apps für Endanwender gegenübergestellt – entwickelt aus der eigenen Beratungspraxis des jungen Unternehmens.

1. App Annie: Einfluss von Chatbots bleibt begrenzt, B2C-Messaging wächst.
Lieferservice- und Mitfahr-Apps existieren, weil sie Hindernisse abbauen – der Dialog wird durch eine grafische Benutzeroberfläche (GUI) ersetzt. Die Macht des Messaging dagegen liegt darin, dass es bestehende Dialoge effizienter macht, beispielsweise im Kundendienst oder im After-Sales-Service. Chatbots werden zwar eine Rolle spielen, aber die Fähigkeiten künstlicher Intelligenz werden nicht ausreichen, um schon 2017 vollständige Kundendienstdialoge führen zu können.
Markus Mölter: „Online-Bestellformulare sind anstrengend und im E-Commerce daher häufig kontraproduktiv. Einfacher geht es mit Chatbots. Über Conversational-Techniken lassen sich ebenfalls alle für einen Kauf erforderliche Daten erheben. Aber eben auf teils sogar unterhaltsame Weise. Der Weg zum Erfolg liegt hier im Frage-Antwort-Spiel. Nutzer: „Ich suche eine blaue Bluse.” Bot: „Hell- oder dunkelblau?” Nutzer: „Dunkel.” Bot: „Welche Größe?” Nutzer: „36.” Bot: „Kurz- oder Langarm?” Nutzer: „Lang.”
Wir empfehlen dennoch, das Thema Chatbots nicht überstürzt anzugehen. Obwohl die Technik, egal ob kluge Chatfunktion oder Machine-Deep-learning, immer einfacher zu erwerben ist, sind die Einführungsprojekte nach unserer Erfahrung häufig relativ komplex. Bereits mit der Hürde, gute FAQ (Frequently Asked Questions) bereit zu stellen, haben viele Unternehmen Schwierigkeiten.
Um einen guten Chatbot zu erhalten, muss man vorab wissen, was der Bot auf die Fragen antworten soll. Dieses Wissen (FAQ, Glossar oder Leitfaden) haben viele Unternehmen bislang noch gar nicht schriftlich erfasst oder gar optimiert.App Analytics by App Annie

2. Kurzfilme steigern Nutzungsdauer
App Annie: „Shortform-Video explodiert und wird zur harten Konkurrenz für terrestrisches Fernsehen. Wir glauben, dass sich dieses Machtgefüge in den kommenden Jahren aufgrund des Wachstums von Shortform- und Live-Videos auf Plattformen wie YouTube, Facebook und demnächst auch Snapchat weiter verschieben wird. Im Oktober 2016 wuchs in den USA allein auf YouTube die Nutzungsdauer von Android-Nutzern um fast 45 %.
Markus Mölter: „Um immer komplexere Werbebotschaften oder Inhalte geschickt mobil zu platzieren, setzt sich das Shortfilmformat immer mehr durch. Gleichzeitig steigt der Anteil der nutzergenerierten Inhalte exorbitant an und Plattformen wie musical.ly, YouTube (vor allem im Bereich Gaming) und verschiedene E-Learning-Plattformen mit den neuesten „Lifehacks“ nehmen von Tag zu Tag an Bedeutung zu.

3. Online 2 Offline-Funktionalität (O2O)
Verschiedene Studien beweisen: Die Durchführung von Aktivitäten im Online-Marketing führen zu mehr Verkäufen am POS. Darauf sollte man allerdings achten:

• „Act as a platform, not as a brand: Gute Beispiele für solches Verhalten bietet beispielsweise der Erfolg der angenehm zu bedienenden, aber eigentlich nur auch anderswo verfügbare Daten anzeigenden chinesischen Restaurant-Buchungs-App Dianping.
• Hohe Investitionen in Design lohnen sich in aller Regel!
• Für die Nutzung von online-2-offline (O2O-Funktionalität -„anything digital which brings people to shop offline“) gibt es in jüngster Zeit einige positive Beispiele: Uber, Groupon, OpenTable.
• „Offline“, also im Ladengeschäft, muss die User Experience allerdings mindestens so angenehm wie bei der App-Nutzung sein („100% smooth and available).

Markus Mölter: „Die Gesamtzahl der Sessions bei Apps anderer konventioneller Unternehmen, insbesondere Banken und Schnellrestaurants, wird 2017 ebenfalls ansteigen, da die Unternehmen zunehmend mobile Apps in ihre Aktivitäten integrieren. Für 2017 erwarten wir, dass diejenigen Ladengeschäfte das stärkste Wachstum erleben, für die mobile Apps die Einkaufserfahrung in ihren Filialen revolutionieren.“

4. Mobile First
Schon seit Jahren kursiert das Motto „Mobile First“ – doch noch gelingt es nur wenigen Unternehmen, ihre digitalen Angebote wirklich komplett auf die Nutzung auf dem Smartphone auszurichten. Dabei ist das Smartphone für immer mehr Menschen längst zum First Screen, also dem wichtigsten Bildschirm und Interaktionsplattform geworden. Dass „Mobile First“ durchaus funktioniert, zeigen schon seit Jahren App-basierte Startups wie MyTaxi, N26 oder Uber. Doch gerade etablierte Konzerne tun sich nach wie vor schwer mit dem Shift hin zu Mobile – noch sind längst nicht alle Geschäftsprozesse auf die mobile Nutzung hin optimiert und es gibt noch immer zu viele Websites, die man auf dem Smartphone nur unter wildem hin und her zoomen nutzen kann. Die Fokusgruppe Mobile des BVDW ist sich sicher, dass „Mobile Friendlyness“ mehr und mehr den Unternehmenserfolg bestimmen wird.
Quelle: BAM-Interactive

Markus-Mölter-MoSeven-Coach-Consultant-FounderMarkus Mölter: „Da immer mehr App-Nutzer „faul“ werden was neue Apps angeht raten wir dazu, mit Mobile First einen klaren USP zu den digitalen Lösungen der Wettbewerber zu schaffen.
Laut neuesten Studien installieren ein Drittel aller User nach drei Monaten keine neuen Apps mehr. Hier muss man mit guten mobilen Lösungen und geschicktem Marketing gegensteuern. Denn wenn die Lösung nicht mobile first ist, dann entscheidet sich der User schnell für einen Konkurrenten.
Auch bei der Erstellung von Webseiten sollte immer mehr auf „Mobile First“ geachtet werden. Warum nicht mal in der Konzeption der Webseite von einer Darstellung auf dem Phone anstatt von einer Darstellung auf dem Desktop ausgehen, um die UX zu optimieren?“

5. Retention wird zur wichtigsten Disziplin im App Marketing
Lange drehte sich das App Marketing vor allem um die Frage: Wie komme ich mit möglichst niedrigen Kosten an möglichst viele App-Installationen? Doch diese Herangehensweise geht längst nicht mehr auf: Nur 20 bis 25 Prozent der App-Downloader nutzen die heruntergeladene App über einen längeren Zeitraum, während 75 bis 80 Prozent die App bald nicht mehr verwenden und womöglich auch löschen. Die Herausforderung für App-Publisher ist daher, aus App-Downloads dauerhafte App-Nutzer zu machen und somit die „Retention Rate“ ihrer App zu steigern. Doch die entsprechenden Strategien hierfür sind noch weitgehend unbekannt: Klar muss die App zunächst einmal ansprechend und die Erwartungen des Nutzers erfüllen. Doch im Kampf um die Aufmerksamkeit auf dem Homescreen müssen weitere Strategien herangezogen werden, z.B. sinnvoll eingesetzte Activity Notifications, User Accounts, App Indexing oder eine Nutzer-Community. „Grundsätzlich muss man bei der Retention-Strategie aber immer zwei Aspekte beachten: Relevanz und Häufigkeit. Auf den Nutzer zugeschnittene Inhalte in regelmäßigen, aber angemessenen Abständen ist die Devise“, sagt Retention-Experte Johannes von Cramon.

Markus Mölter: „Leider hat sich in unseren digitalen Projekten, in der Branche und in verschiedenen Studien gezeigt, dass es eigentlich nur einen ‚Hebel‘ gibt, um Retention zu erhöhen — nämlich über mobilen Mehrwert.
Vor allem Marketing-Apps mit der Kernabsicht der Umsatzgenerierung gelangen häufig schnell an den Punkt, im App Store unterzugehen, da Sie zu wenig Mehrwert liefern und daher nicht mehr geöffnet werden. MoSeven empfiehlt seinen Beratungskunden und auch unseren Partnern, ihre eigene App und das mobile Gesamtsystem regelmäßig kritisch auf den echten Mehrwert für die Anwender zu hinterfragen und zu überprüfen.
Echter Mehrwert entsteht fast immer von Seiten des Unternehmens: Content, Business Case, langfristiger Spaßfaktor oder innovative Funktionalität. Alles andere funktioniert nach unserer Erfahrung nur mäßig, wie zum Beispiel Rabattsysteme, kurzfristige Marketingaktionen oder Minispiele (Gamificiation) und weist überdies meist kein gutes Verhältnis zwischen Projektpreis und erzielter Leistung auf.“

6. „Progressive Web Apps“ im Kommen
Progressive Web Apps have attracted a lot of attention because of the ease of development and the almost instant gratification for the app’s user experience (UX). A Progressive Web App is an application in which the user interface runs in a web browser. A mobile app loses 20% of its users for each step between the user’s first contact with the app and the first use. With a Progressive Web App, users will be able to immediately begin using it without downloading it first.
Quelle: Clearbridge

Markus Mölter: „Vor allem die Dynamik im Hintergrund und die hohe Flexibilität im Bereich Content-Darstellung sind ein klarer Vorteil für Progressive Apps. Man kann mit geschickter Planung jeden Mehrwert innerhalb weniger Taps auf dem Touchscreen erreichbar machen – im besten Falle mit nur einer Interaktion.
Bitte beachten Sie, dass diese Variante nur möglich ist, wenn man eine Möglichkeit hat, den App Store als Vertriebskanal zu umgehen. Wenn der App Store als Vertriebsweg genutzt werden muss, dann kommt man um mindestens einen nativen Rahmen um die „Progressive Web App“ nicht herum.

7. Predictive Analytics sorgt für maßgeschneiderte Inhalte und Angebote
Im Marketing dreht sich heute schon sehr viel um die Analyse von Daten – doch noch gelingt es den wenigsten Marketeers, dadurch auch auf das zukünftige Verhalten von Nutzern schließen zu können, was der Schlüssel für maßgeschneiderte Inhalte und Angebote ist. Durch das Sammeln von Verhaltensdaten von mobilen App-Benutzern können Predictive-Analytics-Plattformen vermuten, was eine Person als nächstes tun könnte, und somit den App-Nutzer glücklicher machen, so Momchil Kyurkchiev von Leanplum. Beispielsweise könnte eine Dating-App den Suchverlauf von jemand verwenden, um Übereinstimmungen zu finden, die sie eher akzeptieren. Genau das tut Tinder, so Jeffrey Morris, Direktor für Produktmanagement und Umsatz. Das Unternehmen nutzt prädiktive Analytik, um individuelle Benutzerpräferenzen aus Trends und Mustern abzuleiten, so dass die App erfolgreiche Matches bereitstellen kann. Diesem Trend dürften bald andere Apps folgen.
Quelle: Clearbridge

Markus Mölter: Die größten Vorteile bietet KI immer dann, wenn in irgendeiner Weise ein Forecast berechnet und aufgrund statistischer Daten erstellt werden soll. Zu diesem Thema haben wir einen Spezialisten für B2B-Apps aus unserem Partner-Netzwerk mit einem Statement hinzugezogen – Robert Vennemann.

Robert Vennemann ist Geschäftsführer der Mobile Enterprise Architects von der Mobile2b GmbH: „Auch für B2B-Apps bietet Predictive Analytics ein enormes Potenzial. So ist es mittlerweile relativ einfach möglich, präzise Prognosen zu den Produktionsparametern der kommenden Woche oder KI-berechnete Absatzzahlen für das nächste Quartal per Push-Benachrichtigung auf sein Smartphone zu bekommen. In einer solch zugänglichen Form kann Predictive Analytics unseren Arbeitsalltag nachhaltig verändern.“Robert Vennemann, Gründer der Kölner Mobile2b GmbH